Erfahrungsberichte aus der Praxis – Osteopathie in der Schwangerschaft Teil II

Christine Lohr – Osteopathin (MSc. Ost) und Dozentin an der OSD

Was muss bei der Behandlung von schwangeren Frauen beachtet werden?

In der Schwangerschaft finden zahlreiche strukturelle und physiologische Anpassungsvorgänge im weiblichen Körper statt.

Die osteopathische Behandlung unterstützt diesen Veränderungsprozess der werdenden Mutter und trägt dazu bei, dass das Kind genügend Raum zum Wachsen hat und optimal versorgt wird.

Der Schwangerschaftsverlauf wird in drei gleich lange Abschnitte – Trimester – geteilt. Jeder dieser Abschnitte hat seine ganz eigene Entwicklungsdynamik.

Zu Beginn der Schwangerschaft kommt es zu großen hormonellen Umstellungen der angehenden Mutter, wodurch das Gewebe zunehmend weicher wird. Hier steht die freie Beweglichkeit aller muskulären und bindegewebigen Strukturen sowie Gelenke und Organe im Fokus.

Im zweiten Trimester liegt der Behandlungsschwerpunkt häufig auf dem Ausgleich der sich verändernden Statik der Mutter. Dies ist bedingt durch die nun einwirkenden Kräfte durch das schnell wachsende Kind.

Zum Ende der Schwangerschaft neigt das Gewebe häufiger zu Wassereinlagerungen an Armen und Beinen. Entstauende und mobilisierende Techniken stehen im Vordergrund.

Sie behandeln viele Schwangere in Ihrer Praxis. Zu welchem Zeitpunkt in der Schwangerschaft und mit welchen Beschwerden kommen die Frauen zu Ihnen?

Meist suchen die Frauen meine Praxis im zweiten und dritten Trimester auf. Die Patientinnen berichten primär über Rücken- und/oder Beckenbeschwerden. Während der Anamnese kommen oft weitere Begleiterscheinungen der Schwangerschaft zur Sprache, bspw. Sodbrennen, allgemeine Verdauungsbeschwerden oder Schulterverspannungen.

Jede Frau erlebt den Schwangerschaftsprozess ganz individuell, somit sollte auch jede osteopathische Intervention auf die werdende Mutter achtsam abgestimmt sein. Zusätzlich schafft die Behandlung auch einen Raum des Rückzugs für die werdende Mutter und ihr heranwachsendes Kind. Dieser Aspekt wird von der Patientin oft als sehr entspannend und regenerationsfördernd wahr- und angenommen.

Zu bedenken ist auch, dass der Einsatz von Schmerzmitteln in der Schwangerschaft so gering wie möglich sein sollte. Eine Alternative bietet hier durchaus die Osteopathie.

Wichtig ist mir die enge Zusammenarbeit mit der begleitenden Hebamme und der behandelnden Gynäkologin bzw. dem behandelnden Gynäkologen zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft.

Welche Tipps/Übungen können Sie Frauen außerdem mit auf den Weg geben, die Sie selbst umsetzen können?

Grundsätzlich empfehle ich jeder Patientin sich kurze Auszeiten im Alltag zu schaffen – ist dieser Lebensabschnitt doch einmalig – umso diese Zeit bewusst zu genießen.

Die Atmung ist ein zentraler Punkt in der Behandlung. Deshalb rate ich zwischendurch den eigenen Atem immer wieder zu beobachten und zu lenken. Dies fördert nicht zuletzt den venösen und lymphatischen Fluss und sorgt für eine optimale Sauerstoffversorgung.

Meiner Erfahrung nach nehmen mittlerweile viele schwangere Frauen spezielle Angebote wie Yoga und Pilates in der Schwangerschaft in Anspruch. Das kann ich nur unterstützen. Bei Bedarf gebe ich noch den einen oder anderen Hinweis dazu mit auf den Weg.

 

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