Brustkrebsmonat Oktober – im Zeichen der rosa Schleife

1985 hat die American Cancer Society den Oktober als Breast Cancer Awareness Month ins Leben gerufen, um das öffentliche Bewusstsein für die Erkrankung zu fördern. Seitdem steht die gesellschaftliche Etablierung von vorbeugenden Maßnahmen und dem frühzeitigen Erkennen von Brustkrebs im Fokus dieser und weiterer Kampagnen, wie zum Beispiel der weltweiten Pink Ribbon– Initiativen. Zusätzlich soll die Erforschung weiterer Behandlungsoptionen gefördert werden.

Brustkrebs ist mit ca. 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Fast 30 % der Patientinnen sind zum Zeitpunkt der Diagnosestellung jünger als 55 Jahre – damit tritt das Mammakarzinom deutlich früher auf als die meisten anderen Krebsarten1.

In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl betroffener Frauen insgesamt gestiegen, allerdings sterben heute weniger Patientinnen an Brustkrebs als noch vor zehn Jahren. Diese Verbesserung wird zum einen auf veränderte Früherkennungsangebote aber vor allem auch auf modernere Therapiemethoden zurückgeführt.

Als Risikofaktoren, die für die Entstehung von Brustkrebs diskutiert werden, gelten das Lebensalter, der Hormonstatus und eine genetische Komponente. Ein weiterer Risikofaktor, der sich präventiv beeinflussen lässt, ist der Lebensstil.  Studien zufolge begünstigen Übergewicht, Bewegungsmangel und anscheinend auch ein erhöhter Alkoholkonsum die Entstehung von Brustkrebs2.

Je nach Krebsart, Stadium und weiteren individuellen Faktoren, empfehlen die interdisziplinären Leitlinien3 meist eine Kombinationstherapie aus Operation, Strahlentherapie und medikamentöser Behandlung (z.B. Chemotherapie, Hormon- oder Antikörpertherapie).

Als postoperative Rehabilitationsmaßnahmen werden neben Bewegungsprogrammen gegen tumorassoziierte Fatigue und zur Steigerung der Lebensqualität unter anderem die physiotherapeutische Mobilisation des Schultergelenkes und Behandlung eventueller Lymphödeme empfohlen3. Über die Hälfte der Brustkrebspatientinnen westlicher Industrienationen nimmt zusätzlich begleitende Therapien aus der Komplementär- und Alternativmedizin (engl. CAM) in Anspruch und bilden damit den höchsten Anteil unter onkologischen Patienten4-6. Akupunktur wird häufig erfolgreich bei chemotherapieinduzierter Übelkeit angewendet7. Als weiterer Therapieansatz der CAM könnte aber auch die Osteopathie zum Einsatz kommen, da insbesondere ihre Wirksamkeit auf Lymphsystem, Gelenkmobilität und Lebensqualität – bislang allerdings vor allem im Zusammenhang mit anderen Krankheitsbildern – erforscht ist8,9. Auch in der Schmerztherapie und Begleitung von Palliativpatienten könnte die Osteopathie einen positiven Beitrag leisten10,11.

In der Osteopathie wurden die Faszien bereits von A.T. Still als Schlüssel zur Gesundheit angesehen, ihre zentrale Rolle bei zahlreichen lebenswichtigen physiologischen Vorgängen ist bereits belegt und im Zusammenhang mit therapeutischen Ansätzen maßgeblich durch Dr. Robert Schleip erforscht. Aktuell rückt die Bedeutung des Bindegewebes und der Faszienbiologie auch in den Fokus der integrativen Onkologie. Es gibt Hinweise darauf, dass die physikalische und mechanische Umgebung das Zellverhalten und das Tumorwachstum beeinflussen kann12. Langevin und Kollegen12 fordern daher die Erforschung der Wirkmechanismen bzw. Einflussnahme von integrativen medizinischen Ansätzen wie der Osteopathie auf molekularer und zellulärer Ebene, um diese gegebenenfalls in der integrativen onkologischen Therapie zu etablieren.

 

Referenzen:

1 Robert Koch Institut (RKI) – Zentrum für Krebsregisterdaten; URL: http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Brustkrebs/brustkrebs.html (Zugriff: 11.10.2017)

2 Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) – Krebsinformationsdienst; URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/brustkrebsrisiken-uebersicht.php (Zugriff: 11.10.2017)

3 AWMF, Deutsche Krebsgesellschaft e.V. und Deutsche Krebshilfe e.V. (Hrsg.) (2012). Leitlinienprogramm Onkologie – Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Langversion 3.0, Aktualisierung 2012. http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/S3-Brustkrebs-v2012-OL-Langversion.pdf p. 127 ff (Zugriff: 11.10.2017).

4 Morris K, Johnson N, Homer L, Walts D. A comparison of complementary therapy use between breast cancer patients and patients with other primary tumor sites. Am J Surg 2000; 179: 407-411.

5 Astin JA, Reilly C, Perkins C, Child WL. Breast cancer patients‘ perspectives on and use of complementary and alternative medicine: a study by the Susan G. Komen Breast Cancer Foundation, J Soc Integr Oncol 2006 4(4): 157-69.

6 Nagel G, Hoyer H, Katenkamp D. Use of complementary and alternative medicine by patients with breast cancer: observations from a health-care survey. Support Care Cancer 2004; 12(11): 789-96.

7 Ezzo J, Vickers A, Richardson MA, Allen C, Dibble SL, Issell B, Lao L, Pearl M, Ramirez G, Roscoe JA, Shen J, Shivnan J, Streitberger K, Treish I, Zhang G. Acupuncture-point stimulation for chemotherapy- induced nausea and vomiting. J Clin Oncol 2005; 23(28):7188-98

8 Hodge LM. Osteopathic lymphatic pump techniques to enhance immunity and treat pneumonia. Int J Osteopath Med. 2012 Mar;15(1):13-21.

9 Tamer S, Öz M, Ülger Ö. The effect of visceral osteopathic manual therapy applications on pain, quality of life and function in patients with chronic nonspecific low back pain. J Back Musculoskelet Rehabil. 2017;30(3):419-425. doi: 10.3233/BMR-150424.

10 Cerritelli F, Lacorte E, Ruffini N, Vanacore N. Osteopathy for primary headache patients: a systematic review. J Pain Res. 2017 Mar 14;10:601-611.

11 Albers J, Jäkel A, Wellmann K, von Hehn U, Schmidt T. Effectiveness of 2 Osteopathic Treatment Approaches on Pain, Pressure-Pain Threshold, and Disease Severity in Patients with Fibromyalgia: A Randomized Controlled Trial. Complement Med Res. 2017 Sep 12. doi: 10.1159/000464343.

12 Langevin HM, Keely P, Mao J, Hodge LM, Schleip R, Deng G, Hinz B, Swartz MA, de Valois BA, Zick S, Findley T. Connecting (T)issues: How Research in Fascia Biology Can Impact Integrative Oncology. Cancer Res. 2016 Nov 1;76(21):6159-6162. Epub 2016 Oct 11. Review.

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