Chronischer Schmerz und Bewegungsmangel: Das Disuse-/ Inaktivitäts- Syndrom

DE - 50 - Disuse- Syndrom

 

Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, bewegen sich häufig weniger als schmerzfreie Personen. Aber gerade diese Inaktivität kann chronische Schmerzen verschlimmern oder auch erst hervorrufen. Dieser Zusammenhang wurde zum ersten Mal um 1984 als Disuse- oder Inaktivitätssyndrom beschrieben.

Was ist das Inaktivitäts- Syndrom?

Es bezeichnet die Auswirkungen von Bewegungsmangel auf physischer und mentaler Ebene. Besonders häufig wird das Syndrom im Zusammenhang mit Rückenschmerzen, anderen chronischen Schmerzstörungen aber auch weiteren Krankheiten diskutiert. Doch auch jenseits chronischer Schmerzproblematiken, wird die Immobilität als Wurzel vieler Erkrankungen und „Zipperlein“ angesehen.

Das Disuse-Syndrom entsteht durch körperliche Inaktivität und wird durch unseren sitzenden und passiven Lebenswandel begünstigt.

Effekte des Disuse- Syndroms

Die fehlende Nutzung des Körpers führt zu einer Verschlechterung vieler seiner Funktionen. Im Grunde genommen ist es das Inaktivitäts-Syndrom eine Erweiterung des bekannten Spruches: „Use it or lose it.“ (dt: Benutze es, oder du verlierst es).

Es gibt verschiedene physische Konsequenzen der Immobilität. Sie treten in zahlreichen Körpersystemen auf, am stärksten machen sich die Veränderungen im muskuloskelettalen und kardiovaskulären System, den Blutkomponenten, dem gastrointestinalen, endokrinem und dem Nervensystem bemerkbar:

  • Muskel und Skelettsystem: Atrophie der Muskulatur, Muskelschwund, Osteoporose. (Jeder, der schon einmal in seinem Leben einen Gips an Arm oder Bein getragen hat, weiß, wie stark sich der Durchmesser des eingegipsten Körperteils nach einiger Zeit der Immobilität verringern kann.)
  • Kardiovaskuläre Effekte: Verringerte Sauerstoffaufnahme, Erhöhung des systolischen Blutdruckes, Verminderung des Plasmavolumens von 10 bis 15% nach einer längeren Bettruhe.
  • Nervensystem: verlangsamte mentale Prozesse, Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, Depression und Ängste.

 

Ein Schlüsselfaktor bei chronischem Schmerz

Viele weitere schädliche physiologische Veränderungen können zusätzlich auftreten. „Disuse“ wird folgendermaßen beschrieben: „Inaktivität spielt eine zentrale Rolle, wenn wir uns nicht wohlfühlen. „Disuse“ wirkt physisch, mental und geistig schwächend.“ Viele Experten glauben, dass das Inaktivitätssyndrom eine Schlüsselvariable in der Aufrechterhaltung von chronischen Schmerzproblematiken ist. Zudem kann das Disuse-Syndrom auch zu einer Reihe emotionaler Veränderungen führen, die mit einer gesteigerten Schmerzwahrnehmung assoziiert sind.

Leider unterstützt die üblichen medizinische Standardversorgung durch vorwiegend passive Therapiemaßnahmen die Immobilität der chronischen Schmerzpatienten, obgleich der Nutzen einer Lebensstilmodifikation zugunsten von mehr Aktivität einen nachgewiesen positiven Effekt auf körperlicher und psychischer Ebene hat.

Also, was ist zu tun?

Wer am Disuse-Syndrom leidet, fragt sich nun vielleicht, was unternommen werden kann. „Aktiv werden“ lautet die Antwort. Für viele chronische Schmerzpatienten ist die Umsetzung schwer vorstellbar, grundsätzlich gilt aber, dass jede Form der Aktivität besser ist als keine Bewegung.

Zunächst sollte darüber aufgeklärt werden, warum Bewegung wichtig ist und inwiefern sie die Gesundheit fördern kann. Wenn der Patient den Nutzen von Aktivität nicht versteht, wird er sich nicht bewegen. Bei chronischen Schmerzen kann Bewegung sogar doppelt wirken: Gegen die Schmerzen und auch gegen die Depression.

Wichtig ist auch, dass eine Form der Aktivität gewählt wird, die dem Patienten Freude bereitet. Daher sollten folgende Fragen berücksichtigt werden: Fühle ich mich im Wasser wohl? Bin ich gerne in der Natur unterwegs oder gehe ich lieber ins Fitnessstudio? Bewege ich mich gern allein und kann ich mich dann auch motivieren oder fällt es mir leichter, in einer Gruppe zu üben? Klein anfangen ist ebenfalls ein hilfreicher Ratschlag. Wer sich direkt beim ersten Training überfordert, verliert schnell die Lust. Es sollten aber auch ganz pragmatische Komponenten mit einbezogen werden: Lieber ein Fitnessstudio in der Nähe von Wohnort oder Arbeit wählen, so dass die Anfahrt unkompliziert ist. Und die Trainingstermine sollten fest in den persönlichen Zeitplan etabliert werden. Viele Menschen können eine feste Struktur wie „Montag, Mittwoch, Freitag um 8Uhr vor der Arbeit“ besser umsetzen als „3 x wöchentlich“.

Es kommt also darauf an, Bewegung zum Teil des eigenen „Lifestyles“ zu machen. Und auch wenn der Weg anfangs beschwerlich ist – dranbleiben lohnt sich. Körper, Geist und Seele werden es Ihnen danken.

 

Referenzen: Deardorff, WW. The Relationship Between Chronic Pain and Inactivity: The Disuse Syndrome. Spine healthTM Trusted information for back pain, published online 08/26/2015 at http://www.spine-health.com/blog/relationship-between-chronic-pain-and-inactivity-disuse-syndrome (accessed: may 12th 2016)

Deardorff WW. Avoiding the Disuse Syndrome: The Why, Where and What of Exercise. Spine healthTM Trusted information for back pain, published online 09/18/2015 at http://www.spine-health.com/blog/avoiding-disuse-syndrome-why-where-and-what-exercise (accessed: may 12th 2016)

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