Der Einfluss von kraniozervikaler manueller Lymphdrainage auf den Hirndruck – Eine mögliche Therapie?

DE - 89 - MLD
 

Physiotherapie spielt bei der Behandlung von neurologischen Patienten eine wichtige Rolle, z.B. bei Schlaganfall, Multipler Sklerose oder Parkinson. Bewegungsübungen oder manuelle Lymphdrainage (MLD) werden häufig im Rahmen der physiotherapeutischen Behandlung eingesetzt. MLD dient zur Behandlung von Patienten, deren Lymphfluss eingeschränkt ist, bspw. durch Lymphödeme, nach einer Brustkrebsoperation oder nach Bestrahlung der Lymphknoten.

Manuelle Lymphdrainage bei akuten Hirnerkrankungen?

Normalerweise gehören akute Hirnerkrankungen, z.B. nach Unfällen oder Verletzungen, nicht zu den typischen Indikationen einer MLD, jedoch gibt es erste Hinweise auf einen positiven Effekt auf die Verringerung des Hirndrucks dieser Patienten[1].

Ein Team von Forschern aus Kassel und Marburg ging diesen Hinweisen nach und hat im Rahmen einer Pilotstudie untersucht, inwiefern die manuelle Lymphdrainage bei Patienten mit erhöhtem Hirndruck zur Behandlung eingesetzt werden kann. In dieser Studie wurden Patienten einer Intensivstation mit schweren Hirnverletzungen beobachtet, deren Hirndruck ständig beobachtet wurde. Die MLD Behandlung dauerte 22 Minuten und für die Studie wurde der Hirndruck 15 Minuten vor, während und 15 Minuten nach der Behandlung verglichen.

Ergebnisse der Pilotstudie

Die Autoren der Studie teilten die Patienten für die Auswertung der Untersuchungsergebnisse in zwei Gruppen, nach Höhe des Hirndrucks, ein. Patienten mit einem Ausgangswert unter 15mmHg wurden in einer Gruppe zusammengefasst (n=99) und Patienten mit einem Wert größer oder gleich 15mmHg wurden ebenfalls in einer Gruppe zusammengefasst (n=34). Als Begründung für diese Einteilung geben die Autoren an, dass dies ein entscheidender Wert für die Prognose des weiteren Krankheitsverlaufs ist. Hierbei haben Patienten mit einem Hirndruck unter 15mmHg bessere Überlebenschancen[2].

Die Pilotstudie konnte zeigen, dass in beiden Patientengruppen der Hirndruck während der MLD-Behandlung leicht zurück ging und in der Gruppe mit höheren Ausgangswerten auch noch 15 Minuten nach der Behandlung reduziert blieb. Weiterhin zeigte sich, dass bei einigen dieser Patienten, der Hirndruck unter die kritische Schwelle von 15mmHg fiel. Die Beobachtungszeit nach der Behandlung ist allerdings sehr kurz und Aussagekraft der Studie durch die geringe Anzahl der Patienten eingeschränkt.

Für die weitere Untersuchung der Wirksamkeit von MLD zur Reduktion des Hirndrucks müssen folgende Fragen geklärt werden:

  • Welche Techniken sind am besten geeignet?
  • Mit welcher Frequenz sollte die MLD optimalerweise angewandt werden?
  • Wie lange sollte eine Behandlung dauern?

Die Autoren sind vorsichtig mit der Interpretation ihrer Ergebnisse, da es sich um eine Pilotstudie mit wenigen Patienten handelt. Zudem erläutern Sie weitere mögliche Erklärungen für den positiven Effekt der MLD: Zum Beispiel könnte allein schon die Berührung der Haut durch den Therapeuten und der dadurch entstehende sensorische Stimulus das vegetative Nervensystem anregen, was wiederum den Hirndruck beeinflussen kann. Hierzu ist es auch wichtig, dass in Zukunft Kontrollgruppen hinzugezogen werden, bei denen beispielsweise die Behandlung mit MLD und die alleinige Berührung der Haut ohne Therapie verglichen werden.

 

Referenz:

Roth, C., Stitz, H., Roth, C., Ferbert, A., Deinsberger, W., Pahl, R., Engel, H. and Kleffmann, J. (2016), Craniocervical manual lymphatic drainage and its impact on intracranial pressure – a pilot study. European Journal of Neurology. 10.1111/ene.13055. (Epub ahead of print)

Online Verfügbar unter: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ene.13055/pdf (assessed 07.06.2016)

[1] Lüdemann, W., Kaminski, J., Küther, G., Brinker, T., Berens von Rautenfeld, D., Samii., M.: Manual lymphatic drainage and its influence on intracranial pressure in severe traumatic brain injury. Lymphology 2004; 37 (suppl.1):129-131.

[2] Schreiber, M.A., Aoki, N., Scott, B.G., Beck, J.R.: Determinants of mortality in patients with severe blunt head injury. Arch Surg 2002; 137: 285–290.

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