Einige Indikationen für Osteopathie im kraniosakralen Bereich

Aus:
Liem, Kraniosakrale Osteopathie, 6. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2013
Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die im Folgenden dargestellten „Indikationen für Osteopathie im kranialen Bereich“ nur begrenzten Nutzen haben, da osteopathische Behandlungsansätze in der Regel nicht indikationsspezifisch eingesetzt werden, sondern entsprechend der jeweiligen osteopathischen Befunderhebung und Diagnostik. Außerdem ist eine kraniale Osteopathie im eigentlichen Sinne nicht existent. Die Unterteilung der Osteopathie in Teilgebiete erfolgt aus rein didaktischen Gründen. In diesem Sinne werden in der Osteopathie nicht Techniken für bestimmte Krankheiten gelehrt, sondern es steht die Vermittlung und Diskussion von Prinzipien, Modellen, Konzepten, Anwendungen und Sichtweisen im Vordergrund, deren Umsetzung in Techniken mündet.

Jede Behandlung ist individuell, sie ist angepasst z.B. an die Natur der Störung, an das spezifische Verlangen des Patienten, an sein Alter, seine psychische Verfassung und seinen Lebensstil.

Beispielsweise werden in der osteopathischen Lehre Reflexionen zur dialektischen Dynamik von Funktion und Dysfunktion sowie zu Beziehungsgefügen eingesetzt, um das Verständnis für die zu Gesundheit und zu Krankheit führenden Faktoren und Prozesse zu wecken (s. Liem 2016 [1]). Auf diese Weise kann der Therapeut in Kommunikation mit den Körpergeweben und im Verständnis der spezifischen Entstehung von Krankheitssymptomen die geeignete Herangehensweise für den jeweiligen Patienten wählen. So kann in der Osteopathie bei 2 Patienten mit exakt der gleichen Krankheitsbezeichnung eine ganz unterschiedliche Behandlung erfolgen. Es gilt ausdrücklich: Es werden keine Krankheiten, sondern Menschen behandelt.

Die folgenden Behandlungsmöglichkeiten dienen nur als sehr grobe Übersicht – unter Berücksichtigung osteopathischer Literatur – in welchen Bereichen kraniale Ansätze im Rahmen einer osteopathischen Behandlung mit angewendet wurden. Sie beruhen zum größten Teil auf Einzelerfahrungen von Osteopathen.