Gehirnerschütterung aus osteopathischer Sicht: Befund und Behandlung

Das leichte Schädel-Hirn-Trauma, im Volksmund auch als Gehirnerschütterung bezeichnet, wird, insbesondere im Sport, häufig unterschätzt. Laut Gänsslen et al. (2016) wird es in ca. 40- 50% der Fälle sogar übersehen. Dabei zeigen 15% der Patienten anhaltende Symptome über mehr als drei Monate. Zwibel und Kollegen (2018) zeigen in ihrem Review eine evidenzbasierte osteopathische Perspektive zum Management von Gehirnerschütterungen in der Praxis auf.

Im Therapiekontext bei Gehirnerschütterung bilden laut Zwibel et al. (2018) Anamnese, Symptome, Vitalparameter und bestimmte körperliche Untersuchungen die Basis. Besonderes Augenmerk sollte dabei auf neurologische Tests gelegt werden.

Aus dem aktuellen Forschungsstand heraus leiten die Autoren für die osteopathische strukturelle Therapie folgende Behandlungsansätze ab: OMT (osteopathic manipulative treatment) kann genutzt werden, um die optimale Sauerstoffversorgung und glymphatische Drainage des Hirns zu gewährleisten. Zudem wird OMT erfolgreich in der Behandlung von Schwindel und Kopfschmerz eingesetzt. Weiterhin konnte in einer Untersuchung an ehemaligen professionellen Footballspielern ein signifikanter positiver Einfluss von kraniosakraler Therapie, viszeraler und Nervenmanipulation auf Schmerz, zervikale Beweglichkeit und Erinnerung festgestellt werden. Ähnliche Symptome treten auch bei Gehirnerschütterungen auf, daher kann hier ebenfalls ein positiver Einfluss auf die Symptomatik des leichten Schädel-Hirn-Traumas erwartet werden.

Vor jeder osteopathischen Behandlung empfehlen die Autoren eine gewissenhafte Abklärung von Kontraindikationen sowie eine ganzheitliche individuelle Befundung mit besonderem Fokus auf folgende Regionen:

Kranium inklusive Atlanto-Okzipital-Gelenk, Sutura occipitomastoidea, Zugmuster und dem kranialen Rhythmus,

Wirbelsäule unter Berücksichtigung zervikaler, thorakaler und lumbaler Dysfunktionen,

Brustkorb mit erster Rippe, der oberen Thoraxapertur, dem Sternoclaviculargelenk und dem thorakalen Diaphragma,

Sakrum und Pelvis.

Zudem sollte bedacht werden, dass assoziierte Symptome sich auch auf emotionaler und kognitiver Ebene zeigen können, die bei einigen Patienten mit bestimmten Risikofaktoren länger andauern können.

 

Referenzen:

Gänsslen A, Klein W, Schmehl I, Rickels E (2016): Schädel-Hirn-Trauma: Gehirnerschütterung nach Sportunfall wird unterschätzt. Deutsches Ärzteblatt 2016; 113(15): [13]

Online verfügbar unter:  https://www.aerzteblatt.de/archiv/175977/Schaedel-Hirn-Trauma-Gehirnerschuetterung-nach-Sportunfall-wird-unterschaetzt (Zugriff: 22.11.2018)

 

Zwibel H, Leder A, Yao S, Finn C (2018): Concussion Evaluation and Management: An Osteopathic Perspective. The Journal of the American Osteopathic Association 2018; 118 (10): 655-661

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