Kartierung von Tinnitus im menschlichen Gehirn erstmalig gelungen

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Tinnitus, die konstante Präsenz von Phantom-Geräuschen, kann die Lebensqualität der Betroffenen deutlich beeinträchtigen. In vielen Fällen beginnt er mit einem partiellen Hörverlust, oft als Resultat eines Knalltraumas, bei dem die Haarzellen im Innenohr beschädigt werden. Das Gehirn passt sich an diesen Input-Verlust an und steigert bestimmte Hirnaktivitäten, was dann den Eindruck von Geräuschen vermitteln kann.

Zum ersten Mal konnte nun das permanente Tinnitus- Piepen im Hirn eines Patienten bildlich dargestellt werden. Bei dem 50-jährigen Mann sollte über 164 Elektroden, die direkt auf der linken Gehirnhälfte implantiert worden waren, die Quelle seiner epileptischen Anfälle ausfindig gemacht werden. Zusätzlich zu seiner Epilepsie litt der Mann jedoch auch unter einem Tinnitus. Die Forscher nutzten diese Gelegenheit, um den Tinnitus kurzzeitig über eine „residual inhibition“ zu unterdrücken; dafür wurden dem Patienten für 30 Sekunden sehr laute, an die Frequenz seines Tinnitus angepasste, Töne über Kopfhörer eingespielt, woraufhin das permanente Piepen für kurze Zeit deutlich in der Lautstärke reduziert bzw. nicht mehr wahrzunehmen war. Daraufhin verglichen die Neurowissenschaftler die Hirnaktivität während des normalen und des unterdrückten Tinnitus. Es wurden Unterschiede sichtbar, die sich über erstaunlich große Hirnareale, weit über die Hörrinde hinaus, erstreckten; dabei handelte es sich um rhythmische Hirnwellen, ähnlich hochfrequent wie die Tinnitus- Oszillationen, die für eine synchronisierte neuronale Aktivität sprechen.

Die Forscher wollen weitere Patienten untersuchen, um allgemeingültige Aussagen treffen zu können, deuten aber an, dass sich durch diesen Zufallsbefund die Behandlungsansätze bei Tinnitus deutlich verändern könnten.

 

Referenz: Sedley W, Gander PE, Kumar S, Oya H, Kovach CK, Nourski KV, Kawasaki H, Howard III MA, Griffiths TD. Intracranial Mapping of a Cortical Tinnitus System using Residual Inhibition. Current Biology. 2015;25(9): 1208-1214. doi:10.1016/j.cub.2015.02.075.

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