Mehr als Sodbrennen – Osteopathische Behandlung bei gastroösophegalem Reflux

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Sodbrennen tritt besonders nach fettigem Essen oder hohem Alkoholkonsum auf und äußert sich durch ein Drücken im Magen und Brennen hinter dem Brustbein. Verstärkt werden die akuten Beschwerden zum Beispiel durch Vornüberbeugen oder auch Hinlegen. Stress begünstigt durch eine erhöhte Produktion an Magensäure das Auftreten von Sodbrennen und gilt als einer der Haupt-Risikofaktoren. Bestehen keine Grunderkrankungen, die das Sodbrennen hervorrufen, geht das Problem durch den Verzicht auf Alkohol und den Verzehr von leichterer Kost in der Regel wieder zurück. Auch ein Verdauungsspaziergang wird zur Linderung der Symptome empfohlen

Mehr als Sodbrennen

Häufiges Sodbrennen kann ein allerdings auch ein Symptom des Gastroösophegalen Reflux sein (GÖR oder GERD für gastroesophageal reflux disease), bei dem der Rückfluss des Magensaftes in die Speiseröhre krankhaft erhöht ist[1]. Häufig sind die unteren Schließmuskel (Ösophagussphinkter und der Hiatus oesophagus des Zwerchfells) in Ihrer Funktion gestört, sodass sie den Mageninhalt nicht adäquat zurückhalten. Neben den Empfehlungen zur Änderung des Ernährungsverhaltens oder des Lebensstils wird diese Erkrankung hauptsächlich medikamentös mit Protonenpumpenhemmern behandelt.

Osteopathische Behandlung des Zwerchfells

In einer Studie von spanischen und brasilianischen Forschern wurde eine osteopathische Behandlung als alternative Option auf ihre Wirksamkeit bei GERD untersucht (da Silva et al. 2013). Der Druck, der beim Zusammenziehen der Zwerchfellöffnung entsteht, ist bei Patienten mit GERD verringert. Die Autoren gehen davon aus, dass das Zwerchfell als Muskel auf Training reagieren könne und somit die Funktionsfähigkeit zur Schließung der Magenöffnung verbessert werden kann.

Für die Studie wurden 22 Patienten einmalig mit einer osteopathischen Technik zur Zwerchfelldehnung behandelt. Dabei Die Patienten lagen mit angewinkelten Beinen auf der Liege, der Therapeut hinderte beim Ausatmen den Brustkorb daran sich abzusenken, wodurch das Zwerchfell gedehnt wurde. Die Kontrollgruppe mit 16 Patienten wurde mit einer Placebotechnik behandelt, bei der der Patient gleich liegt und der Therapeut die Hände identisch auflegt, ohne Druck oder Zug auszuüben. Zur Bestimmung des Drucks in der Speiseröhre wurde die Manometrie von einem geblindeten Untersucher durchgeführt. Dabei wird eine dünne Sonde durch die Nase bis in den Magen geführt. Die Messung fand direkt vor und nach der Behandlung statt.  Die Verteilung erfolgte randomisiert, sodass beide Gruppen in Bezug auf Durchschnitts-Alter, BMI und Geschlechterverteilung keine Unterschiede aufwiesen.

In der Osteopathie-Gruppe zeigte sich durchschnittlich eine leichte Erhöhung des Drucks im unteren Ösophagussphinkter direkt nach der Behandlung um 1,84 mmHg, was einem Anstieg um 9-27% entspricht. In der Placebo-Gruppe zeigte sich dagegen eher eine Verringerung des Drucks bei allen Probanden (durchschnittlich -3,61  mmHg). Dieser Unterschied zwischen den Gruppen war signifikant mit einer hohen Effektstärke (Cohen’s d = 0,8).

Die Autoren weisen darauf hin, dass nur eine osteopathische Technik angewandt wurde im Gegensatz zu einer umfassenden osteopathischen Behandlung. Dennoch oder gerade deshalb sind sie positiv überrascht, dass schon nach der Anwendung einer einzelnen Technik ein Effekt auf den Druck des Schließmuskels erzielt werden konnte. Offen bleibt, ob dieser Effekt nachhaltig ist und wie eine adäquate Behandlung in der Praxis aussehen sollte. Ziel der Autoren wäre eine Ergänzung konservativer Behandlungsansätze bei GERD-Patienten und bestenfalls eine Vermeidung von Operationen.

Patienten, die außerhalb dieser Studie mit der Technik zur Zwerchfelldehnung behandelt wurden, berichteten laut Autoren von einer Besserung ihrer Sodbrennen- oder Refluxbeschwerden.

Referenz:

da Silva RC, de Sá CC, Pascual-Vaca ÁO, de Souza Fontes LH, Herbella Fernandes FA, Dib RA, Blanco CR, Queiroz RA, Navarro-Rodriguez T: Increase of lower esophageal sphincter pressure after osteopathic intervention on the diaphragm in patients with gastroesophageal reflux. Dis Esophagus. 2013 Jul;26(5):451-6

Online verfügbar unter: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1442-2050.2012.01372.x/pdf (Zugriff am 24.10.2016)

[1] Pehl C, Schepp W: Wie entsteht Sodbrennen? Pathomechanismus und Einflussfaktoren. Deutsches Ärzteblatt 2002, 99(44): A2941-2949

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