Neuroplastizität im Gehirn und chronische Erkrankungen des Bewegungsapparats

DE-11-Vorschaubild

 

Ist Neuroplastizität im ZNS das fehlende Glied im Verständnis von chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparats?

Nach einer Verletzung des Bewegungsapparats können im umliegenden Gewebe über verschiedene Mechanismen wie z.B. Entzündungsmediatoren und anschließende fibrotische Prozesse lokale Dysfunktionen entstehen. Das kann zu Schmerzen und neurophysiologischen Veränderungen führen. Diese vereinfachte Darstellung des strukturell-pathologischen Modells wird häufig herangezogen, um Einschränkungen im Bewegungsapparat zu erklären und zu behandeln.

Bei Patienten mit chronischen muskuloskeletalen Beschwerden verfehlt dieser Therapieansatz jedoch häufig seine Effektivität.

Kanadische Forscher erörtern, dass strukturelle und funktionelle Veränderungen im zentralen Nervensystem bei Personen mit chronischen Störungen im Bewegungsapparat eine Rolle in der Krankheitsentstehung spielen könnten. Diese neuroplastischen Veränderungen reflektieren adaptive neurophysiologische Prozesse, die als Ergebnis veränderter afferenter Stimuli (z.B. nozizeptive ) auftreten, die in spinale, subkortikale und kortikale Gebiete geschickt werden. Dieser Vorgang hat zunächst eine Schutzfunktion für den Organismus, kann jedoch auch andauern und in ein chronisches Stadium übergehen. So entstandene neuroplastische Veränderungen innerhalb verschiedener Regionen des ZNS könnten den Übergang von akuten zu chronischen Zuständen zu erklären. Zudem könnten sie die Pathophysiologie für sensorisch-motorische Befunde darstellen und helfen zu verstehen, warum einige Patienten weiterhin Schmerzen empfinden, obgleich keine Ursache gefunden werden kann, und warum einige Patienten mit chronischen Einschränkungen im Bewegungsapparat nicht auf konservative Therapie ansprechen.

Die Autoren vertreten die Meinung, dass ein Umdenken im Entstehungsmodell und Behandlungsansatz von chronischen muskuloskeletalen Störungen nötig ist, das die neuroplastischen Veränderungen im ZNS mitberücksichtigt und bei der Behandlung in den Fokus stellt. Neue Herangehensweisen, die sich speziell darauf beziehen, sind nach Meinung von Pelletier und Kollegen aktuell vielversprechend, benötigen aber noch weitere Untersuchungen, um ihre Effektivität zu erhöhen.

Referenz: Pelletier R, Higgins J, Bourbonnais D. Is neuroplasticity in the central nervous system the missing link to our understanding of chronic musculoskeletal disorders? BMC Musculoskeletal Disorders. 2015;16:25. doi:10.1186/s12891-015-0480-y.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

five × 2 =