Osteopathie bei Lungenentzündung

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2007 wurden in den USA 1,1 Mio Menschen mit der Diagnose „Pneumonie“ ins Krankenhaus eingewiesen, 52 000 Menschen starben daran. Die aktuellen Richtlinien der Infectious Disease Society of America / American Thoracic Society empfehlen als Standardtherapie der Lungenentzündung eine schnelle Versorgung mit dem passenden Antibiotikum, Flüssigkeitssubstitution und Beatmung, wenn nötig. Non-standard Therapien beinhalten den Gebrauch von Kortikosteroiden und Statinen, diese Therapeutika zeigen jedoch keinen nachweisbaren Nutzen.

Die Anwendung manueller Techniken bei Lungenentzündung wurde bereits 1918 im Zusammenhang mit der Pandemie der Spanischen Grippe beschrieben. Patienten, die nur die medizinische Standard-Therapie erhielten, hatten eine geschätzte Mortalitätsrate von 33% vs. 10% der Patienten, die von einem Osteopathen behandelt worden sind.

Ärzte des Department of Osteopathic Manipulative Medicine am New York Institute of Technology analysierten den aktuellen Forschungsstand hinsichtlich der Effektivität von OMT (osteopathic manipulative treatment) bei Erwachsenen mit diagnostizierter Lungenentzündung. Außerdem werteten sie bewährte Behandlungsprotokolle aus, die ärztliche Osteopathen in der Therapie von Pneumonie verwenden.

Die Literaturanalyse ergab, dass Techniken zur Anregung des Lymphflusses in der Behandlung von Patienten mit Pneumonie von Vorteil sind, weil sie die Druckverhältnisse im thorakalen Diaphragma verändern, die Lungenfunktion und die Antikörper-Antwort verbessern. Außerdem können sie Lungenödeme reduzieren, die autonom-gesteuerte intrinsische Kontraktilität der Lymphgefäße verbessern und die Anzahl der weißen Blutkörperchen im peripheren Blut erhöhen. Zusätzlich gibt es Hinweise darauf, dass lymphatische Pumptechniken die Konzentration von Zytokinen und Chemokinen in den thorakalen und intestinalen Lymphgefäßen erhöht, was für eine verbesserte Abwehrfunktion spricht.

Entsprechend dieser Ergebnisse stellen die Autoren mithilfe von Videoaufnahmen 4 besonders geeignete Routine-Techniken für die unterstützende Behandlung von Patienten mit Lungenentzündung vor:

  1. Rib Raising
  2. Thoracic Pump
  3. Doming Technik für das thorakale Diaphragma
  4. MET für die 1. Rippe.

 

Diese Techniken können Pneumonie- Patienten bei der Wiederherstellung von Gesundheit helfen, indem die normale Zirkulation und immunologische Funktion im Körper angekurbelt werden. Außerdem werden das autonome Nervensystem und die Lymphdrainage angeregt und die Mobilität des Brustkorbes vergrößert. Dabei wirkt die Osteopathie in drei sequenziellen Schritten:

  1. Beseitigung der Dysfunktionen, die die Drainage behindern
  2. Optimierung der respiratorischen Funktion
  3. Steigerung des Lymphflusses.

 

Die Autoren bewerten OMT als wertvolles und kosteneffizientes unterstützendes Werkzeug in der Behandlung von Lungenentzündung. Mehrere Studien belegten, dass der Krankenhausaufenthalt und die Dauer von intravenöser Antibiose durch Osteopathie im Vergleich zu konventioneller Standard- Therapie verkürzt werden konnten und die Inzidenz von Atemstillstand und Tod abnahm.

 

Referenz: Yao S, Hassani J, Gagne M, et al. Osteopathic Manipulative Treatment as a Useful Adjunctive Tool for Pneumonia. J. Vis. Exp. (87), e50687, doi:10.3791/50687 (2014)

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