Osteopathie verkürzt Krankenhausaufenthalte und Kosten in der Betreuung von Frühgeborenen

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In Europa sind circa 6% aller Lebendgeburten Frühgeburten (< 37 Wochen). Nach wie vor gilt die Frühgeburt als eine der bedeutendsten Ursachen für Morbiditäten bei Neugeborenen. In der Literatur wird die Anwendung osteopathischer manipulativer Treatments (OMT) in der Behandlung von Neu- und Frühgeborenen beschrieben. Außerdem gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass Osteopathie die Kosten und die Verweildauer im Krankenhaus reduzieren kann. Ein italienisches interdisziplinäres Forscherteam untersuchte in einer multizentrischen, randomisierten klinischen Parallelgruppenstudie diesen Zusammenhang und den Effekt von OMT auf klinische Outcomes frühgeborener Babies.

Dazu wurden 695 Neugeborene mit Gestationsalter zwischen 29 und 37 Wochen ohne Geburtskomplikationen aus drei öffentlichen Neo-Intensivstationen randomisiert der Kontrollgruppe (n = 343) oder der Studiengruppe (n = 352) zugewiesen. In der Studiengruppe bestand die osteopathische Behandlung aus einer 10-minütigen Befundung von Schädel, Wirbelsäule, Abdomen sowie oberer und unterer Extremitäten, um die somatische Dysfunktion aufzuspüren. Im Anschluss wurden die Säuglinge 20 Minuten mit indirekten Techniken aus dem myofascial Release und BLT/BMT behandelt, danach 2x wöchentlich während ihres gesamten Krankenhausaufenthalts. In der Kontrollgruppe fand ebenfalls eine 10-minütige strukturelle Befundung statt, jedoch keine Behandlung.

Als primärer Zielparameter wurde die Dauer des Krankenhausaufenthaltes analysiert. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war statistisch signifikant: Die Neugeborenen der Studiengruppe verbrachten durchschnittlich 3,9 Tage weniger im Krankenhaus als die der Kontrollgruppe. Außerdem gab es signifikante Unterschiede in Bezug auf die Kosten: In der Studiengruppe wurden knapp 1600€ pro Säugling eingespart, auf die tägliche Gewichtszunahme hatte die osteopathische Behandlung hingegen keine Auswirkung. Es wurden keine interventionsbezogenen Komplikationen beobachtet.

Wie in älteren, kleiner angelegten Studien, erbringt diese multizentrische Studie schlüssige Beweise, dass OMT bei frühgeborenen Kindern die Krankenhausverweildauer verkürzen und die Kosten senken kann. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Richtlinien zur Gesundheitsversorgung für Säuglinge in stationärer Behandlung überarbeitet werden sollten, um zum Einsatz von komplementärmedizinischen Ansätzen, speziell zur Osteopathie, zu ermutigen.

 

Referenz: Cerritelli F, Pizzolorusso G, Renzetti C, et al. A Multicenter, Randomized, Controlled Trial of Osteopathic Manipulative Treatment on Preterms. Rubens C, ed. PLoS ONE. 2015;10(5):e0127370. doi:10.1371/journal.pone.0127370.