Schmerzen im unteren Rücken – Osteopathie vs. Standard-Therapie

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Rückenschmerzen – ein weitverbreitetes gesundheitliches Problem unserer Zeit. Eine repräsentative Befragung aus dem Jahr 2009 ergab, dass ca. 20% der Deutschen in den vorangegangenen 12 Monaten unter chronischen Rückenschmerzen litten[1]. Auch in den USA stellen Rückenschmerzen ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem dar.

Zur Behandlung von Rückenschmerzen werden Mobilisation und Manipulation der Wirbelsäule schon seit Jahrhunderten angewendet und seit dem 19. Jhd. haben sich verschiedene „Schulen“ manueller Behandlungsarten entwickelt. Dabei werden in den USA Manipulationen der Wirbelsäule vor allem von Chiropraktikern durchgeführt. Die meisten Studienergebnisse zur Wirksamkeit dieser Behandlungen beziehen sich auf diese Art der Behandlung, bei der vor allem HVLA-Techniken zur Anwendung kommen. Innerhalb der letzten 20 Jahre wurden aber auch vermehrt hochwertige Studien zur Wirksamkeit osteopathischer Behandlungen durchgeführt.

Eine amerikanische Untersuchung aus den 1990er Jahren ging der Frage nach, ob eine osteopathische Behandlungen schneller zu einer Linderung von Schmerzen im unteren Rücken führen kann, als die übliche medizinische Behandlung.

Ergebnisse der Vergleichsstudie

Zur Beantwortung dieser Fragestellung führen die Forscher eine randomisierte kontrollierte Studie durch. Untersucht wurden 178 Patienten mit Schmerzen im unteren Rücken, die seit mindestens 3 Wochen, maximal jedoch seit 6 Monaten auftraten. Die Patienten wurden zufällig auf zwei Gruppen geteilt und über einen Zeitraum von 12 Wochen behandelt. Die eine Gruppe erhielt Standardtherapiemaßnahmen, die andere osteopathische Behandlungen. Im Rahmen der Standardtherapie wurden folgende Behandlungen eingesetzt: Schmerzmedikamente, entzündungshemmende Medikamente, Physiotherapie, weitere Therapien (Ultraschall, Diathermie, Korsett oder transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS). Manuelle Verfahren durften in dieser Gruppe nicht angewendet werden. Die osteopathischen Behandlungen erfolgten individualisiert, es wurden zum Beispiel folgende Techniken angewandt: HVLA, Muskelenergie Techniken, Counterstrain, Artikulationstechniken und Myofasziale Release-Techniken. Zusätzlich schauten sich Patienten beider Gruppen ein Ausklärungsvideo zum Thema Rückenschmerz an.

Die Intensität des Schmerzes und Funktionseinschränkungen wurden anhand verschiedener Instrumente gemessen und die Veränderung in beiden Gruppen untersucht: visuelle analoge Schmerz-Skala (VAS), Roland-Morris Fragebogen und der Oswestry Disability-Fragebogen. Zusätzlich wurde das Bewegungsausmaß (range of motion) gemessen und der Winkel, bis zu dem die Patienten das gestreckte Bein anheben konnten. Als sekundärer Parameter wurde die Menge der verschriebenen Medikamente untersucht.

Am Ende der Behandlungsphase konnten keine Unterschiede zwischen den Gruppen in Bezug auf die untersuchten Zielparameter festgestellt werden, da sich die Werte in beiden Gruppen verbesserten. Jeweils über 90% der Patienten waren zufrieden mit der Behandlung. Das heißt, dass Patienten in ähnlichem Ausmaß von beiden Therapien profitierten.

Zusätzlicher Nutzen durch osteopathische Behandlung

Obwohl die Wirksamkeit in Bezug auf Schmerzen bei beiden Gruppen vergleichbar war, zeigte sich beim Betrachten der sekundären Zielparameter, dass den Patienten der osteopathisch behandelten Gruppe weniger Medikamente verschrieben worden waren (24.3% erhielten Medikamente im Vergleich zu 54,3% der Standardtherapie-Gruppe).

Aktuelle Entwicklungen

Zu beachten ist, dass diese Studie schon 1999 veröffentlicht wurde und somit ggf. nicht mehr den aktuellen Empfehlungen zur Standardtherapie entspricht.

Die aktuelle US-amerikanische Leitlinie der American Pain Society empfiehlt für die Behandlung von unspezifischen Schmerzen im unteren Rücken, vor allem körperliche Aktivität und Stärkung der Selbstverantwortung der Patienten, z.B. durch spezifische Informationen zum Thema Rückenschmerz. Darüber hinaus können Medikamente, mit nachgewiesenem Nutzen, verschrieben werden. Sollten sich die Symptome durch diese Maßnahmen nicht verbessern, bieten sich nicht-medikamentöse Behandlungen (Manipulation der Wirbelsäule, Bewegungstherapie, Akupunktur, Massagen, Yoga, u.a.) als weitere Optionen an[2].

Auch in Deutschland werden in der aktuellen Nationalen VersorgungsLeitlinie zum Kreuzschmerz manuelle Therapien (Manipulation/Mobilisation) als zusätzliche Option sowohl für die akute als auch die chronische Schmerzphase empfohlen[3].

Evidence Based Medicine und systematische Übersichtsarbeiten

Um eine Behandlung zu empfehlen, sollte deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen sein, d.h. im Rahmen von klinischen Studien konnte ein positiver Einfluss auf die Gesundheit von Patienten erzielt werden. Im Sinne der evidenzbasierten Medizin bzw. Praxis sollten behandelnde Ärzte und Therapeuten sich zusätzlich zu Ihrer klinischen Expertise auch auf die bestmögliche Evidenz (=Wirksamkeitsnachweis) beziehen. Üblicherweise werden sehr viele verschiedene Studien zu einer Fragestellung durchgeführt und oftmals kommen diese zu verschiedenen Ergebnissen und Empfehlungen für die Praxis. Im Rahmen von systematischen Literaturanalysen wird versucht eine allgemeingültigere Aussage zur Wirksamkeit zu treffen, in dem die Ergebnisse miteinander vergleichen und zusammengefasst werden. Für die Osteopathie gibt es bisher eine solche systematische Übersichtarbeit – und zwar zur Wirksamkeit bei Rückenschmerzen, speziell die Anwendung von Muskelenergie-Techniken, die 2015 veröffentlicht wurde[4].

 

Referenz:

Andersson GB, Lucenet T, Davis AM, Kappler RE, Lipton JA, Leurgans S. A comparison of osteopathic spinal manipulation with standard care for patients with low back pain. N Engl J Med 1999; 341:1426-1431

[1] Robert-Koch Institut: „Daten und Fakten: Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2009“ https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/GEDA09.pdf?__blob=publicationFile (Zugriff zuletzt am 29.08.2016)

[2] Chou R, Qaseem A, Snow V, Casey D, Cross TJ, Shekelle P, Owens DK: Diagnosis and Treatment of Low Back Pain: A Joint Clinical Practice Guideline from the American College of Physicians and the American Pain Society.

[3] Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (Webseite): Nationale VersordungsLeitlinie (NVL) Kreuzschmerz http://www.leitlinien.de/nvl/kreuzschmerz/ (Zugriff zuletzt am 25.08.2016)

[4] Franke H, Fryer G, Ostelo RWJG, Kamper SJ: Muscle energy technique for non-specific low-back pain. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2015 http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD009852.pub2/full (Zugriff zuletzt am 29.08.2015)

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