Störungen des Sehapparates

Generell sollten stets die folgenden Strukturen untersucht und behandelt werden:

  • knöcherne Verbindungen der Orbita und die Orbita als Ganzes
  • Os sphenoidale und SSB (aufgrund der Ansatzstellen der Augenmuskeln) und die Öffnungen am Os sphenoidale für den Sehnerv und die Augenmuskelnerven
  • intrakraniale Duralmembranen (insbesondere das Tentorium cerebelli), da die Augenmuskelnerven an ihnen entlangführen (insbesondere der N. abducens ist anfällig, da er unter dem Lig. sphenopetrosum des Tentoriums verläuft und mit diesem faserig verbunden ist)
  • Augenmuskeln
  • Kornea, Abflusshindernisse des Kammerwassers, der Tränenflüssigkeit, Bulbus etc.
  • Okziput und der Atlas
  • ggf. Os temporale, aufgrund der Anheftung des Tentoriums an diesem Knochen

Geeignete ophthalmologische Indikationen:

  • Amblyopie
  • Astigmatismus, Schielen
  • Akkommodationsstörungen und Strabismus bei Kindern
  • Entzündungen der Augenstrukturen
  • Glaukom
  • Katarakt
  • Kurzsichtigkeit
  • latenter Strabismus, Heterophorie
  • Weitsichtigkeit
  • Nystagmus

Glaukom

Unterstützt werden kann die Therapie durch Behandlung der Beziehungsgefüge des Zwerchfells, Entlastung und Drainage venöser Stauungen, insbesondere durch die Lösung der Sutura petrosphenoidalis, der Sutura occipitomastoidea und die Behandlung des Os lacrimale sowie Klopftechniken nach Ruddy.

Das Ergebnis zeigte bei allen untersuchten 10 Probanden eine Erhöhung der okulären Pulsamplitude nach einer osteophatischen Behandlung. Die Befunderhebung ergab bei allen Probanden ein ventral orientiertes Spannungsmuster des thorakolumbalen Diaphragmas sowie einen deutlich bevorzugten thorakalen Atemausdruck und eine erschwerte abdominelle Atembewegung bei Normal- und Tiefatmung sowie bei 8 Probanden einen Befund des kraniozervikalen Diaphragmas. Osteopathiscdhe Befunde im Bereich des kranialen oder parietalen Systems wurden nicht gefunden [51].

Eine heterogene Gruppe mit Glaukom zeigte keine signifikante Verminderung des intraokkulären Druckes nach zwei osteopathischen Behandlungen. Eine Tendenz zur Verminderung des Druckes zeigte sich bei der zweiten Behandlung. Es wurden Übungen der Augenmuskeln, eine Mobilisierung des Zwerchfells, des zervikothorakalen Diaphragma, Lösung der OAA-Gelenke, der SSB, des Foramen jugulare, Ohrzugtechnik, Lösung des Os frontale und CV-4 durchgeführt. Weitere Studien sollten mit mehr Behandlungen und befundorientiert durchgeführt werden [52].

Katarakt

Die Entwicklung eines Katarakts kann unter Umständen verlangsamt werden durch Lösung der orbitalen Strukturen, insbesondere der Sutura frontomaxillaris und des atlantookzipitalen Gelenks. Die Ernährung spielt ebenfalls eine außerordentlich große Rolle (s. a. Liem T: Praxis der kraniosakralen Osteopathie. 3. Aufl. Stuttgart: Haug; 2010).

Kurzsichtigkeit

Das Os sphenoidale befindet sich meist in Extension, sodass die Orbita in ihrem longitudinalen Durchmesser vergrößert ist. Die Behandlung zielt darauf ab, die Orbita und den Bulbus in ihrem longitudinalen Durchmesser zu vermindern.

Latenter Strabismus, Heterophorie

Die visuelle Analogskala für Befindlichkeit könnte auf eine positive Wirkung einer befundorientierten osteopathischen Behandlung hinweisen. Läsionen wurden v.a. in folgenden Bereichen lokalisiert: Okziput-Atlas-Axis, zervikothorakaler Übergang und Synchondrosis sphenooccipitalis, Zwerchfell, Viszerokranium, thorakolumbaler Übergang, Temporomandibulargelenk, seltener im Bereich Th1–Th5, Th6–Th9, Becken, LWS und der unteren Extremität. Viszerale Dysfunktionen fanden sich v.a. im Bereich des M. sphincter Oddi, des Dünndarms und der Leber [53].

In einer klinischen Pilotstudie konnte ein therapeutischer Erfolg seitens der Osteopathie nachgewiesen werden (p> 0,05) [54]. Laut einer Studie aus dem Jahr 2012 konnte mittels osteopathischer Techniken der Heterophoriewinkel unmittelbar nach OMT reduziert werden (p = 0,006; Behandlung: Zwerchfell, Öffnung des M. sphincter Oddi, Leberentstauung, thorakolumbaler Übergang, erste Rippe, zervikale Faszie, Dekompression des OA-Gelenks, SSB, Synchondrosis sphenopetrosa, Lig. petrosphenoidale, Sutura frontosphenoidale, Temporomandibulargelenk, PRM, Orbita, Bulbus, Dehnung der Augenmuskeln) [55].

Nystagmus

Dieser kann durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden. Magoun [4] erwähnt eine Überreizung des N. vestibulocochlearis, der Verbindungen hat zum III., IV. und VI. Hirnnerv. Er führt dies zum Teil auf Störungen im Bereich der Pars condylaris und der Sutura petrosphenoidalis zurück. Entspannungen der Dura können oft Besserung verschaffen (s. a. Liem T: Praxis der kraniosakralen Osteopathie. 3. Aufl. Stuttgart: Haug; 2010).

Weitsichtigkeit

Das Os sphenoidale befindet sich meist in Flexion, sodass die Orbita in ihrem longitudinalen Durchmesser verkürzt ist. Die Behandlung zielt darauf ab, die Orbita und den Bulbus in ihrem longitudinalen Durchmesser zu verlängern. Kraniosakrale Behandlung bei Weit- und Kurzsichtigkeit sollte in jedem Falle gemeinsam mit Augenübungen und einem Sehtraining durchgeführt werden.