Tut wachsen weh? – Osteopathie im Kindesalter

Wachstumsschmerzen sind idiopathische Schmerzen mit gutartigem Charakter, sie sind eine häufige Form muskuloskeletaler Schmerzen in Kindesalter. Symptome sind plötzlich beginnender Schmerz – üblicherweise in beiden Beinen – in der Nacht, Dauer zwischen ca. 0,5 und 2 Stunden, die Gelenkbeweglichkeit ist nicht betroffen (1). Die Ursache der Symptome ist bisher nicht ausreichend geklärt. Neue Studien haben einen Zusammenhang mit Restless Legs-Syndrom, Kopfschmerzen und Schmerzen im unteren Rücken herausgefunden (2). Einflussfaktoren, die diskutiert werden, sind Hypermobilität, Körperhaltung, Kreislauf, Ermüdung der Muskeln nach intensiver körperlicher Aktivität sowie ein Mangel an Eisen oder Vitamin D (3). Weitere Studien zeigten eine reduzierte Druckschmerzschwelle und mehr schmerzhafte Druckpunkte bei Kindern mit Wachstumsschmerzen (4). Mehrere Studien weisen ebenfalls darauf hin, dass es keinen Zusammenhang der Schmerzen und den namensgebenden Wachstumsschüben gibt (1).

Vor wenigen Wochen haben wir bereits von den inhaltlichen Beiträgen unserer Schule zur ICAOR 11 Konferenz in Saronno, Italien berichtet.

Dabei haben wir Ihnen auch die Studie von Jessica Albers näher vorgestellt, in der sie zwei osteopathische Behandlungsansätze bei Fibromyalgie-Patienten untersucht hat.

Heute möchten wir über ein weiteres sehr interessantes Projekt informieren. Andrea Renninghoff hat den Einfluss ostepathischer Behandlungen bei Kindern mit Wachstumsschmerzen untersucht. Aktuell wird die Publikation dieser Arbeit in einer Fachzeitschrift vorbereitet. Soweit uns bekannt, wurde bisher noch keine andere Studie zu diesem Thema veröffentlicht.

 

Abstract der Studie:

Der Einfluss osteopathischer Behandlung auf die Druckschmerzschwelle und weitere Schmerzparameter bei Kindern mit Wachstumsschmerzen. Eine randomisierte kontrollierte Studie.

Das Ziel dieser Studie war es, den Einfluss von osteopathischer Behandlung auf die Druckschmerzschwelle (engl. PPT) und Schmerz bei Kindern im Altern von 6 bis 15 Jahren mit Wachstumsschmerzen zu untersuchen.

Methoden: 21 Kinder mit Wachstumsschmerzen wurden randomisiert entweder in die Interventionsgruppe (IG, n=11) oder die Kontrollgruppe (KG, n=10) zugeteilt. Die Kinder der Kontrollgruppe wurden auf die Warteliste gesetzt und erhielten im Anschluss an die Studie die gleiche osteopathische Behandlung (4x zweiwöchentlich). PPT wurde an 7 definierten Stellen des Körpers gemessen. Ein standardisierter Fragebogen erfasste Schmerzintensität, -häufigkeit und –dauer. Vor- und Nachbeobachtung war jeweils Wochen. Die Daten wurden mittels ANOVA bzw. Friedmann-Test für non parametrische Daten ausgewertet, partielles ɳ2 wurde als Maß der Effektstärke berechnet.

Ergebnisse: Keine der beiden Gruppen zeigte einen signifikanten Unterschied in PPT im Intergruppenvergleich. Statistisch signifikante und klinisch relevante Veränderungen zeigten sich in der Schmerzintensität und –häufigkeit. Die Intragruppendifferenz der Schmerzintensität betrug zum Ende der Studie -2,69 Punkte auf der VAS (F= 3,108; df= 3; p=0,033; Eta2= 0.1410). Schmerzhäufigkeit reduzierte sich um -2,89 Tage innerhalb von 2 Wochen (IG) und -0,6 Tage innerhalb von 2 Wochen (F= 2,758, df= 3; p=0,05; Eta2= 0.127).

Schlussfolgerung: Die befundorientierte ostepathische Behandlungssequenz hatte einen positiven Einfluss auf die Schmerzintensität und –häufigkeit von Kindern mit Wachstumsschmerzen. Eine Veränderungstendenz in PPT konnte beobachtet werden, bleibt jedoch nicht aussagekräftig.

 

Quellen:

(1) Evans A (2008). Growing pains: contemporary knowledge and recommended practice. Journal of Foot and Ankle Research, 1(1);1-5

(2) Donnelly T, Bott A, Bui M, Goh S, Jaanistze T, Chapman C, Crawford M, Hopper JL, Champion D. Common Pediatric Pain Disorders and Their Clinical Associations. Clin J Pain. Epub ahead pf print 2017 Mar 07

(3) Uziel Y, Hashkes PJ et al. (2007). Growing pains in children. Pediatric Rheumatology. 2007, 5:5

(4) Hashkes P, Friedland O, Jaber L, Cohen A, Wolach B, Uziel Y (2004). Children with growing pains have decreased pain threshold. J. Rheumatol., 2004, 31: 610-613

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

5 × 2 =