Osteopathie bei kindlichen Teilleistungsstörungen

Eine systematische Literaturarbeit über die Wirksamkeit von Osteopathie bei kindlichen Teilleistungsstörungen

Hintergrund

Diese systematische Literaturarbeit geht der Frage nach, ob osteopathische Behandlungen bei den Teilleistungsstörungen Legasthenie (Lese – Rechtschreibstörung, LRS) und Dyskalkulie (Rechenstörung) bei Kindern wirksam sind.

Es wird der aktuelle Forschungsstand zu diesen beiden komplexen Störungsbildern dargestellt. Die Prävalenz wird bei Kindern in Deutschland auf etwa 4 – 6% geschätzt.  Die Behandlung erfordert einen multiprofessionellen Zugang wobei auch eine Vielzahl an Behandlungsansätzen aus dem Bereich der alternativen und komplementärmedizinischen Medizin, beispielsweise Osteopathie, angeboten wird. Aus osteopathischer Sicht werden v.a. prä – , peri – und postnatale Ursachen für Teilleistungsstörungen beschrieben, die scheinbar großteils zu somatischen Dysfunktionen des kranio – sakralen Systems führen.

 

Methode

Eine umfassende systematische Literatursuche in elektronischen Datenbanken wurde durchgeführt. Zusätzlich wurde eine manuelle Literaturrecherche in medizinischer und osteopathischer Fachliteratur ausgeführt. Die Literatur wurde anhand von Ein – und Ausschlusskriterien evaluiert und Relevantes inkludiert. Eingeschlossenen Studien wurden anschließend anhand von Bewertungsverfahren (z.B. Downs et Black Checkliste) qualitativ untersucht und bewertet.

 

Ergebnisse

Basierend auf der systematischen Literaturrecherche wurden 3 klinische Studien (Studientyp: RCT) und ein Fallbericht in Bezug zur Fragestellung inkludiert, analysiert und bewertet. Zwei klinische Studien und der Fallbericht wurden mit moderat, eine klinische Studie mit limitiert bewertet.

 

Schlussfolgerung

Die Effektivität von Behandlungsmethoden wie beispielsweise der Osteopathie wird in der Literatur in Frage gestellt, da entsprechende Beweise fehlen. Die osteopathische Sichtweise zu den Teilleistungsstörungen Legasthenie und Dyskalkulie weicht von der schulmedizinischen Betrachtung ab und der osteopathische Forschungsstand zu diesen beiden Störungsbildern ist als sehr gering einzustufen.

Eine Ableitung von wirksamen osteopathischen Behandlungsansätzen bei einer LRS und Rechenstörung ist auf Basis der vorhandenen Literatur nicht möglich. Die inkludierten klinischen Studien und der Fallbericht weisen qualitative Schwächen auf. Die Aussagekraft der Studien ist in diesem Sinn, trotz der teilweise positiven Ergebnisse, als gering zu bezeichnen. Die Wirksamkeit osteopathischer Interventionen auf die Symptome einer Legasthenie und einer Dyskalkulie ist daher auf der Basis der Ergebnisse dieser Arbeit derzeit nicht beweisbar. Da aber durchaus positive Effekte der osteopathischen Behandlungen beschrieben werden, ist dennoch ein gewisses Potential der Osteopathie für die Behandlung einer LRS und einer Rechenstörung anzunehmen.

 

Schlüsselwörter

Teilleistungsstörung, Legasthenie, Dyskalkulie, Osteopathie

 

Autor:

Michael Biberschick M.Sc. Päd.Ost, DO, DPO

Michael Biberschick ist als methodologischer und osteopathischer Gutachter für die OSD tätig und betreut die Abschlussarbeiten unserer Studenten.

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